1. Fähigkeit (von 3), deren Anwendung zu einer besseren Beziehung führt

Aktives Zuhören wird dann angewendet, wenn unser Kind mit einem Problem zu uns kommt und uns direkt oder indirekt sein Herz ausschüttet.

Ein erstes Beispiel zeigt, wie ein Gespräch ungünstig verlaufen kann…

Johann: „Tom will nicht mehr mit mir spielen. Er will nie, was ich will.“

Mutter: „Na, warum machst du nicht einfach, was er will? Du musst lernen, dich mit deinen kleinen Freunden zu vertragen.“

Johann: „Ich will aber nicht tun, was er will. Und vertragen – mit dem blöden Kerl? Nee!“

Mutter: „Nun dann such dir doch jemand anderes zum Spielen, wenn du der Spielverderber sein willst.“

Johann: „Er ist der Spielverderber, nicht ich. Und es ist niemand anderes zum Spielen da.“

Mutter: „Du hast schlechte Laune, weil du müde bist. Morgen sieht es schon ganz anders aus.“

Johann: „Nein, wird es nicht. Und ich bin auch nicht müde. Du verstehst einfach nicht, wie ich diesen kleinen Angeber hasse.“

Mutter: „Nun hör aber auf so zu reden! Wenn du dich so aufführst, würde ich auch nicht mit dir spielen wollen.“

Johann: (entfernt sich missmutig) „Ich hasse diese Gegend. Ich wünschte, wir würden fortziehen.“

… und wie man mit Aktivem Zuhören das Kind unterstützen kann.

Johann: „Tom will nicht mehr mit mir spielen. Er will nie, was ich will.“

Mutter: „Du scheinst ziemlich böse auf Tom zu sein.“

Johann: „Und wie. Ich will nie wieder mit ihm spielen. Er ist nicht mehr mein Freund.“

Mutter: „Ach so.“

Johann: „Aber ohne ihn werde ich niemanden zum Spielen haben.“

Mutter: „Du würdest ungern immer allein spielen.“

Johann: „Ja, ich glaube, ich muss mich irgendwie mit ihm vertragen.“

Mutter: „Du würdest dich lieber mit ihm vertragen, aber du wirst auch wieder wütend auf ihn.“

Johann: „Ja, früher war das nie so. Aber da hat er auch immer das gespielt was ich wollte. Er will sich nicht mehr von mir herumkommandieren lassen.“

Mutter: „Tom ist nicht mehr so leicht zu beeinflussen.“

Johann: „Das stimmt. Er ist kein solches ‚Baby‘ mehr. Es macht aber auch mehr Spaß mit ihm.“

Mutter: „Eigentlich findest du ihn jetzt besser.“

Johann: „Ja. Aber es ist schwer, nicht mehr der Bestimmer zu sein. Ich hatte mich so daran gewöhnt. Vielleicht würden wir uns nicht mehr so oft streiten, wenn ich ihm ab und zu seinen Willen lasse. Meinst Du, das würde gehen?“

Mutter: „Du meinst, es würde helfen, wenn du gelegentlich auch mal nachgeben würdest.“

Johann: „Ja, vielleicht. Ich versuch’s mal.“


Eines muss ich noch klarstellen. Nicht jedes Mal kommt auch eine Lösung oder Veränderung beim Aktiven Zuhören zustande. Manchmal muss das Unabänderliche mit einem Erwachsen einfach nur besprochen und geteilt werden. Mitunter ist auch eine Lösung für das Kind nicht wichtig oder noch nicht möglich. Und es kommt immer wieder vor, dass die Eltern (gerade am Anfang) in einen ‚Anwendungsfehler‘ beim Aktiven Zuhören getappen.

Im Familientraining schauen wir nach den Gründen, warum ein Gespräch nicht ‚geklappt‘ hat. Denn die Fähigkeit des Aktiven Zuhörens lernt man nicht mühelos über Nacht oder weil man einiges darüber gelesen hat. Aus eigener Erfahrung weiß ich, das es dafür viel Übung braucht. Im Kurs sind dafür 6 Stunden vorgesehen. Im Buch „Familenkonferenz“ mehr als 60 Seiten.

Ich fände es sehr schade, wenn man Aktives Zuhören mit Halbwissen und ohne Übung anwendet und dann verwirft, weil es nicht funktioniert hat…

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